Ich finde es gut, dass Peer Steinbrück in den Weddinger Sprengelkiez gezogen ist. Es ließ sich ja auf Dauer nicht geheimhalten, dass man in unserem Teil der Stadt ganz nett wohnt. Und ich fühle mich jetzt auch gleich viel sicherer – der SPD-Kanzlerkandidat würde ja bestimmt nicht zögern, auch die Kavallerie einzusetzen. Nicht nur die Schweizer müssten sich davor fürchten, auch die Prenzlauer Berger, wenn sie nicht mehr nur in kleinen Erkundungstrupps, sondern gleich in Heerscharen in unseren Wedding einfallen sollten. Unterstellmöglichkeiten für die Pferde wären in der Kinderfarm Wedding schon mal vorhanden. Der eine oder andere nimmt Anstoß daran, dass Herr Steinbrück im Wedding nur eine Zweitwohnung bezieht. Nun, das liegt natürlich daran, dass er als Bundestagsabgeordneter woanders seinen Wahlkreis hat. Die für den Wedding zuständige Bundestagsabgeordnete, Dr. Eva Högl, die gerade auf Platz 1 der Landesliste der Berliner SPD gewählt wurde, wohnt praktischerweise über ihm im selben Haus und ist bestimmt froh, dass ihr Haus-Genosse ihr nicht den Weddinger Wahlkreis streitig macht. Als gebürtiger Hamburger flaniert Peer Steinbrück jetzt bestimmt manchmal durch den nahen Westhafen oder erfreut sich an Straßennamen wie “Föhrer Straße” oder “Amrumer Straße”. Ich jedenfalls freue mich, dass Peer Steinbrück nun jeden Tag auch eine gehörige Portion Eindrücke vom wirklich wahren Weddinger Leben mit in die Blase des Regierungsviertels mitnimmt. Und was das leidige Thema Gentrifizierung angeht: die Mieten dürfte der SPD-Politiker wohl nicht hochtreiben – Besserverdienende suchen ja eher nicht die Nähe ehemaliger Finanzminister.
